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Hans-Peter Mattausch - Dinkelsbühl (Mittelfranken)

Auszeichnung

Laudatio

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Alt- und Neugewürfelte,
er ist kein einfacher Mensch und im Gespräch mit ihm muss man gelegentlich ein gehöriges Maß an Robustheit mitbringen. Dabei meint er es stets gut mit allen, allein mit seiner Masse, seiner Umtriebigkeit, seiner Ungeduld und seiner Wortgewalt überfährt er aber nicht selten sein Gegenüber. Er wäre die ideale Vorlage für einen fränkischen Obelix aus dem kleinen, selbstbewussten Ort Dinkelsbühl. Begrüßen Sie ihn mit einem großen Applaus unseren Neugewürfelten aus Dinkelsbühl, Hans-Peter Mattausch!

Hans-Peter Mattausch würde meiner Charakterschilderung wohl eher nicht widersprechen. Er sagt selbst von sich, er sei als Schüler unangenehm, faul und aufmüpfig gewesen. Kostproben hierzu?

Die Frage eines genervten Lehrers, warum er denn hier am Gymnasium wäre, parierte er mit einem „weil sie mich auf der Förderschule nicht genommen haben“.

Mit seiner Begründung „Zug verpasst“ kam er jahrelang als Entschuldigung für sein notorisches Zuspätkommen durch - obwohl sein Elternhaus nur wenige Gehminuten neben der Schule lag.

Das Abitur schaffte er dann auch nur mit Ach und Krach gerade so, das von den Eltern gewünschte Brauereistudium brach er nach vier Semestern ab, diverse Praktika in Firmen endeten mit der Feststellung „Technik kanna ah ned“ und dann schlitterte er mehr zufällig in die Ausbildung zum Krankenpfleger, was einen der Lehrer, der ihn schon aus Gymnasialzeiten her kannte, zum entgeisterten Aufschrei „ned der scho wieder“ veranlasste.

Über sein Ehrenamt beim Roten Kreuz entdeckte er sein Faible - NEIN, nicht für das Lernen sondern für das Lehren. Er ließ sich zum Lehrer für Pflegeberufe ausbilden, wurde 1991 erst Lehrer an der kleinen Krankenpflegeschule Dinkelsbühl, 1994 deren Leiter und ist heute Gründungsdirektor der Akademie des Ansbacher Krankenhauses mit über 300 Schülerinnen und Schülern. Für mich ist das ein Beispiel dafür, dass man mit fränkischer Beharrlichkeit, Einfallsreichtum und grenzenlosem Optimismus auch - und vielleicht manchmal besser - ans Ziel kommt!

Hans-Peter Mattausch ist aber nicht nur beruflich erfolgreich, seitdem er die Windeln abgelegt hat, ist er auch ehrenamtlich grenzenlos umtriebig.

Als dreijähriger Knabe hatte er seinen ersten großen Auftritt beim Dinkelsbühler Heimatfest „Die Kinderzeche“. Kinderlorebub zu sein das bedeutete, eine ganz wichtige Rolle zu haben, quasi ursächlich dafür zu sein, dass die Stadt der Sage nach im Dreißigjährigen Krieg vor Plünderung und Brandschatzung durch das feindliche schwedische Heer verschont blieb, weil er - DAMALS! - zart, liebreizend und unschuldig aussehend, den schwedischen Obristen milde stimmen konnte.

Der Kinderzeche blieb er bis zum heutigen Tag nahezu ohne Unterbrechungen in den verschiedensten Funktionen treu. 1997 übernahm er - selbst noch aktiver Festspieler - im dreiköpfigen Vorstand sogar die Gesamtverantwortung für die Kinderzeche und dies so erfolgreich, dass dieses Heimatfest mittlerweile zum Immateriellen Kulturerbe in Bayern und in Deutschland gehört.

Unter seiner Ägide wurde 2002 der Verein „Brauchtumspflege Dinkelsbühl e. V.“ gegründet, eine Voraussetzung dafür, ein weiteres Großprojekt zu realisieren, nämlich die Errichtung des Zeughauses als Domizil der Kinderzeche mit viel Platz für die Ausrüstung der mehr als 1000 Aktiven, für Arbeitsplätze für die Mitarbeiter, als Veranstaltungsort, Lernort und Museum.

Als Präsident der Arbeitsgemeinschaft historischer Kinder- und Heimatfeste Süddeutschlands nutzte er ab 2001 diese Plattform zur Durchsetzung gemeinsamer Interessen zum Beispiel gegenüber der GEMA und der Künstlersozialkasse, wo er unbequem, hartnäckig und strategisch gewitzt seinem Motto gemäß „geht nicht - gibt’s nicht“ Widerstände brach und das Optimale für die Kinder- und Heimatfeste herausholte. Ich glaube, auch hier wird so mancher Gesprächspartner ein stummes „ned der scho wieder“ vor sich hin geseufzt haben.

Doch nicht nur im Bereich der Kultur bewies Hans-Peter Mattausch seine Durchsetzungsfähigkeit, Wendigkeit, Anpassungs- und Improvisationsfähigkeit, auch bei Katastropheneinsätzen mit dem Bayerischen Roten Kreuz, zum Beispiel beim Hochwasser in Dresden oder beim Gasunglück in Lehrberg 2006, als

  • langjähriges Mitglied im Stadtrat Dinkelsbühl,
  • Vorstandsmitglied im VdK,
  • Autor mehrerer Bücher und Schriften und
  • Co-Moderator mehrerer Radio- und TV-Live-Sendungen.

2009 im jugendlichen Alter von 46 Jahren erhielt unser Neu-Gewürfelter für all das das Bundesverdienstkreuz.

Was ist und war das Erfolgsgeheimnis von Hans-Peter Mattausch? Neben seiner großen Vitalität wohl auch das Gespür für die Situation und für andere. Er selbst witzelt:

„Manchmal muss man auf seinen Bauch hören - bei mir geht das besonders gut“.

Und dann wird das draus, was Hans-Peter Mattausch heute ist: eine feste Größe in seiner Heimatstadt, für die Pflegeausbildung im Landkreis Ansbach, für Kunst und Kultur in Westmittelfranken und darüber hinaus. Wie gut passt hier, lieber Herr Mattausch, Ihr Lebensmotto, das Sie bei Christian Friedrich Hebbel gefunden haben:

„Lieber ein eckiges Etwas als ein rundes Nichts“.

Was könnte besser zum eckigen Frankenwürfel passen als ein eckiges Etwas?! Herzlichen Glückwunsch und herzlich willkommen, lieber Herr Mattausch, im Kreise der eckigen Gewürfelten!

DR. THOMAS BAUER
Regierungspräsident von Mittelfranken