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Dr. Andrea Kluxen - Nürnberg (Mittelfranken)

Auszeichnung

Laudatio

„Der Frankenwürfel ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten an eine Vielzahl hochangesehener Persönlichkeiten verliehen worden, aber wohl noch nie an jemanden mit den drei F`s „Frau“, „Fremd-“ und „Frühfranke“. Begrüßen Sie mit mir und einem großen Applaus die mittelfränkische Bezirksheimatpflegerin mit den frei F`s: Frau Dr. Andrea Kluxen.

Andrea Kluxen wurde 1958 in Essen geboren und erlebte ihre frühe Kindheit in Bensberg im Bergischen Land, wo immer dieses schöne Land im hohen Norden liegt. Und damit wären wir schon bei den „Frühfranken“.

Frau Dr. Kluxen würde uns nämlich vermutlich darlegen, dass Sie Ihre ersten Jahre im Rheinland verbracht hat und die Rheinländer die früheren und damit die ursprünglicheren Franken sind. Dieser „Rheinfranken“ genannte Volksstamm siedelte nämlich entlang des Mittelrheins – daher der Name – und wurde schon etwa im 3. Jahrhundert urkundlich erwähnt, während die heutige Region Franken erst im Verlauf des 6. Jahrhunderts unter fränkische Herrschaft gelangte. Damit ist Andrea Kluxen – wer hätte das gedacht bei einem Geburtsort in Essen - eine echte Ur-Fränkin und wir Ober-, Mittel- und Unterfranken, die wir vielleicht vor wenigen Minuten noch dachten, die echten, wahren und einzigen Franken zu sein – ich hoffe, Sie jetzt nicht in eine Identitätskrise zu stürzen – müssen uns damit begnügen, „nur“ die „späteren“ Franken zu sein.

Frau Dr. Kluxen blieb auch nicht lange „Fremdfranke“. Im Alter von fünf Jahren zog ihre Familie aus beruflichen Gründen bereits nach Erlangen. Hier stellte Andrea Kluxen ihre Sprachbegabung schon im Kindesalter unter Beweis, als sie als Dolmetscherin der frisch in Erlangen angekommenen Familie Kluxen fungierte, da sie als einziges Familienmitglied die Sprache der Franken verstanden haben soll. Das Wendige, das Sich-Anpassen an neue Situationen lag ihr anscheinend schon als Fünfjähriger im Blut.

In diesem Zusammenhang sei es mir erlaubt nochmals auf die drei F´s zurückzukommen, hat doch Andrea Kluxen gerade zu

  • „Fremde in Franken“ und
  • „Frauen in Franken“

zwei Ausstellungen für den Bezirk Mittelfranken konzipiert. Beide Ausstellungen wurden im Bayerischen Landtag (2013, 2016) gezeigt und sind derzeit noch als Wanderausstellungen in Mittelfranken zu sehen, „Fremde in Franken“ im Moment noch in Dinkelsbühl und im nächsten Jahr beispielsweise in Würzburg und Veitshöchheim.

Nach dem Abitur 1977 in Erlangen am Albert-Schweitzer-Gymnasium, studierte sie an den Universitäten Erlangen, Wien und München Kunstgeschichte, Neuere Geschichte, Bayerische und Fränkische Landesgeschichte, Klassische Archäologie, Ur- und Frühgeschichte. Mit diesem Wissen war Andrea Kluxen dann neun Jahre für das Germanische Nationalmuseum und vier Jahre am Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg tätig, bis sie 2002 Kulturreferentin und Bezirksheimatpflegerin des Bezirks Mittelfranken wurde.

Als Bezirksheimatpflegerin und Leiterin des Kulturreferats beim Bezirk Mittelfranken betreute und betreut sie bereits bekannte Projekte des Bezirks Mittelfranken, wie z. B.:

  • Denkmalpreis des Bezirks Mittelfranken,
  • Wolfram-von-Eschenbach-Preis,
  • Trachtenforschungs- und beratungsstelle,
  • Tag der Franken,
  • Mischen! Kinder- und Jugendkulturtage,
  • Fränkischer Sommer,

aber Andrea Kluxen hat auch viele neue Projekte ins Leben gerufen:

  • Einrichtung der Tagungs- und Publikationsreihe „Franconia Judaica“ zur Erforschung jüdischer Geschichte und Kultur in Franken,
  • Einrichtung der Publikationsreihe „Geschichte und Kultur in Mittelfranken“,
  • Einrichtung des „Museumsforum Franken“, eine Tagungsreihe und Vernetzungsplattform für Museen in Mittelfranken,
  • Gründung des Filmfestivals „Heimat! Das Filmfestival“,
  • Anregung und Konzeption zur Einrichtung eines Limesfachberaters,
  • Schaffung eines Popularmusikberaters für den Bezirk Mittelfranken,
  • Vorbereitung zur Erweiterung des Jüdischen Museums Franken in Schwabach.

Seit 1990 gibt Andrea Kluxen ihr Fachwissen über Franken im Rahmen verschiedener Lehraufträge an der Friedrich-Alexander-Universität und an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg an Studierende weiter, daneben bringt sie sich in unzähligen Institutionen ein. Eine Aufzählung kann nur exemplarisch erfolgen:

  • im Beirat des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege,
  • im Beirat des Historischen Vereins für Mittelfranken,
  • im Wissenschaftlichen Beirat des Frankenbundes,
  • im Kuratorium der Bayerischen Musikakademie Hammelburg und
  • im Beirat der Gesellschaft für Fränkische Landesgeschichte.

Wie Sie sehen können, hat Andrea Kluxen viel in Mittelfranken bewegt.

Liebe Frau Dr. Kluxen: Wir sind beeindruckt. Und uns ist bewusst, Sie angemessen zu würdigen ist keine einfache Übung. Nicht nur wegen der Vielfalt Ihres Wirkens, sondern auch wegen des unglaublichen Umfangs Ihrer Arbeit. In unzähligen Büchern und Aufsätzen haben Sie die Ergebnisse Ihrer Forschungen zur fränkischen Geschichte und Kultur präsentiert, die Veröffentlichungsliste füllt mehrere Seiten. Ersparen Sie es mir – und Ihnen – daraus zu zitieren. Das Warten auf unsere heißgeliebte Martinsgans würde noch etwas länger dauern. Eines lässt sich aber auf jeden Fall festhalten.

Das Wort in geschriebener und gesprochener Form ist das Ihre. Sie lieben Diskussionen und sind dabei grundsatzfest und ausdauernd. Mit diesen Eigenschaften haben Sie sich in den vergangenen Jahrzehnten intensiv mit der Fränkischen Landesgeschichte auseinandergesetzt. Seit fünfzehn Jahren führt, wenn es in Mittelfranken um Kulturförderung, Heimatpflege und Geschichte geht, kein Weg an Ihnen vorbei.

Andrea Kluxen lässt bei aller wissenschaftlicher Schaffenskraft aber auch einmal alle fünfe gerade sein. Sie entspannt dann bei Musik von Beethoven, als Hörerin oder beim Klavierspiel und beim Lesen. Sie widmet sich darüber hinaus gerne den kulinarischen Genüssen der fränkischen Heimat. Auch diese Form der Kulturpflege ist ihr nicht fremd, sie hat sich aber auch qua Amt mit den lukullischen Genüssen ihrer (neuen) Heimat beschäftigt: Und ohne ihre umfänglichen Forschungen zur Zuwanderung und zum Kulturtransfer nach Franken würden uns heute Bier, Wein, der anschließende Kaffee und vieles mehr ganz bestimmt genauso gut munden – nur es wäre uns nicht so klar bewusst, dass es wiederum die „Fremden in Franken“ waren, die uns diese Genüsse beschert haben, denn bei der bereits zitierten Wanderausstellung „Fremde in Franken“ geht es auch um den Kulturtransfer nach Franken und wer könnte bestreiten, dass Essen und Trinken ein ganz elementarer Bestandteil von Kultur sind. Und so muss ich uns heute schon ein zweites Mal ein bisschen unserer fränkischen Identität berauben: unsere ach so typisch fränkischen Spezialitäten wie Karpfen, Spargel, Wein und Bier und vieles mehr sind so urfränkisch nicht, sondern wurden uns neben den vielen anderen kulturellen Errungenschaften von den Zugewanderten mitgebracht.

Der Tag der Franken, der im kommenden Jahr am 1. Juli in der mittelfränkischen Bezirkshauptstadt Ansbach stattfinden wird, steht unter dem Motto „Essen in Franken“. Wir sind heute schon gespannt, mit welchen Höhepunkten Sie uns, Frau Dr. Kluxen, überraschen werden, denn der Tag der Franken 2018 wird sicher auch ein sinnliches Erlebnis.

Eine Einstimmung auf den Tag der Franken 2018 können wir bei Interesse durch eine besondere Tagung der Bezirksheimatpflege im Ansbacher Schloss am 24. November 2017 erfahren. An diesem Tag informiert die Bezirksheimatpflege unter dem Titel „Festtagsschmaus und Einheitsbrei“ über die Ernährung in Franken von der Antike bis zur Gegenwart.

Ein ganz und gar un-fränkisches Hobby soll aber auch nicht verschwiegen werden. Zumindest ist mir noch nicht bekannt, dass trotz der Klimaveränderungen ausgerechnet Elefanten wichtig für die fränkische Kultur und Tradition wären. Ich glaube sogar behaupten zu dürfen, dass diese Tiere – seitdem der Nürnberger Zoo bereits vor Jahren deren Haltung aufgegeben hat – reichlich selten in Mittelfranken geworden sind. Genau diese Tiere sammelt unsere Preisträgerin nämlich. Natürlich nicht – wie Sie sich sicher vorstellen können – als lebendige Exemplare, sondern in jeder Größe und aus jedem x-beliebigen Material. Diese Leidenschaft ist aber derzeit außer Vollzug gesetzt, da sich Andrea Kluxen aus Platzgründen verbeten hat, mit weiteren Exemplaren beglückt zu werden. Die dafür vorgesehene Vitrine ist nämlich zum Bersten voll.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Hans Max Freiherr von und zu Aufseß hat das Wendige, das Witzige und das Widersprüchliche als prägende Elemente des fränkischen Wesens ausgemacht, wobei Witz auch Erfindungsgeist und Einfallsreichtum bedeutet. An diesen Merkmalen werden demnach auch die Kandidaten und die Kandidatinnen für den Frankenwürfel gemessen.

Sehr geehrte Frau Dr. Kluxen,
Ihr Witz ist meist so trocken, wie der von Ihnen bevorzugte trockene Frankenwein. Ihre Widersprüchlichkeit wird nicht nur an Ihrer Elefantenleidenschaft deutlich, sondern in gewisser Weise auch an einem Ihrer Forschungsschwerpunkte „Friedhof, Grabmal und Erinnerungskultur“, ein Forschungsschwerpunkt, der im ersten Augenblick nicht so Recht zu einer lebensfrohen Rheinfränkin zu passen scheint. Bleibt das Wendige – das ohne Zweifel für einen Bezirksheimatpfleger in Franken, einer Region mit solch vielfältiger Kultur, Geschichte und Tradition und einem nicht immer einfachen Bezirkstag unerlässlich ist.

Sehr geehrte Frau Dr. Kluxen,
Sie sind als Bezirksheimatpflegerin des Bezirks Mittelfranken eine Interessensvertreterin für alle Heimat- und Kulturinteressierte und eine Wahrerin der Fränkischen Geschichte und der fränkischen Kultur. Mit der Ihnen eigenen Beharrlichkeit und Ihrem gesunden Selbstvertrauen, die vornehme preußische Kühle wird dann auch mal abgelegt, setzen Sie sich für den Erhalt der fränkischen Heimat und der fränkischen Geschichte ein. Danke dafür!

Herzlich willkommen im Kreise der alt- und neugewählten Gewürfelten. Dazu meinen herzlichen Glückwünsch!

DR. THOAMS BAUER
Regierungspräsident von Mittelfranken