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Herbert Haas - Randersacker (Unterfranken)

Auszeichnung

Laudatio

"Den wendigen, witzigen und widersprüchlichen Franken, dem zu Ehren alljährlich am Martinstag der Frankenwürfel verliehen wird, verkörpert der gebürtige Randersackerer Herbert Haas (Jahrgang 1934) wie kein anderer und ein gutes Omen war sein Würfelspiel rund um Frankens Dorfkultur allemal.

Dem Spross einer alt eingesessenen und vom fränkischen Brauchtum geprägten Familie – Vater Philipp war Steinmetz und Bildhauer, Mutter Amanda Mundartdichterin und Großvater Ludwig Weinbauer – wurde der typisch fränkische Charakter gleichsam in die Wiege gelegt.

Der Architekt hat es sich vor allem zur Lebensaufgabe gemacht, in seinem Heimatort Randersacker und anderswo in Mainfranken die alte fränkische Baukunst wiederzubeleben, was ihm durch seine Fachkunde und sein Engagement bei zahlreichen Dorferneuerungen, Fassadenwettbewerben und Sanierungen alter Baudenkmäler auch zweifelsohne gelungen ist.

Mit den Titeln »Was die Spatzen von den Dächern pfeifen« oder »Natursteinmauern in Wein- und Steinfranken« weiß jeder Kundige etwas anzufangen, liefert Herbert Haas doch mit geschliffener und bildhafter Wortwahl gemischt mit einer Brise Ironie und hintergründigem Humor Zeugnis über die mainfränkische Baukunst ab.

Sein Hauptaugenmerk gilt aber der alten Steinhauerzunft, der »Rantzackera Schtee- Hawer«. Im Dorf der Steehawer hat sich auf Haas’sche Initiative ein Arbeitskreis Steinhauer Museum Randersacker (Arwedsgräas Schdeehawermusäum Ränzägger) gegründet und die Verbreitung und Verarbeitung des Randersackerer Muschelkalks (u.a. im Kölner Dom und Berliner Olympiastadion) ist sogar in einem kleinen Museum zu bewundern.

Bei so viel Steinstaub, der in Randersacker zwangsläufig heruntergespült werden muss, ist es kein Wunder, dass sich Herbert Haas auch der Pflege »weinfränkischer« Kultur angenommen hat und das nicht nur in seiner idyllisch gelegenen »Datscha«. Als gleichzeitiger Umwelt- und Naturschutzbeauftragter seiner Heimatgemeinde offenbart er – wie der Würfel eben auch, Ecken und Kanten, wenn es darum geht, den Randersackerer »Pfülben« (Weinberg) mit der Natur in Einklang zu bringen und dabei den »Dorfmüttern und Dorfvätern« in keiner »üblichen Nachrede« verbal auf die Zehen zu treten, um die »Bocksbeutelbiotope« vor weiterer »Verlustmeldung« (Rote Listen) zu bewahren.

Der »Hasenherbert«, wie er bisweilen genannt wird, ist eine geschätzte Persönlichkeit nicht nur in Randersacker. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und legt den Finger in die Wunde, ohne andere dabei zu verletzen. Er fordert mit seiner spitzen Zunge geradezu zum Widerspruch heraus. In seinem Beruf lernte er Mainfranken kennen, wie kein anderer und lässt dabei keine Gelegenheit aus, schlagfertig und gekonnt seine Umwelt zu glossieren. Seinem Einfallsreichtum sind dabei anscheinend keine Grenzen gesetzt. Unvergesslich bleibt sein Auftritt als Balthasar Neumann (mit Perücke und Kostüm!) bei den Feierlichkeiten zur Renovierung eines einst vom Meister selbst erbauten Pavilions (»Abbild des Dresdner Doms«) oder die schriftliche Einladung an die Herren vom Bauamt zu einer Schießprobe, wahlweise mit Knie-, Kopf- oder Genickschuss, als ihm von dort »selbstschießende« Türen auferlegt wurden.

Herbert Haas ist aus »Rantzacker« nicht wegzudenken und als Ratgeber und Kritiker nicht nur in seiner Heimatgemeinde gefragt, weil ihm vor allem neben Ecken und Kanten eines zu Eigen ist – die Liebe zu seiner fränkischen Heimat.

Kurzum – ein echter »Gewürfelter«. "

Dr. FRANZ VOGT
Regierungspräsident von Unterfranken