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Franz Besold - Weismain (Oberfranken)

Auszeichnung

Laudatio

Essen und Trinken ist in Franken ein wichtiges Thema. So nimmt es nicht wunder, dass der Frankenwürfel auch schon an allerhand wendige, witzige und widersprüchliche Genusshandwerker verliehen wurde. Vom Bratwurstwirt bis zum Weinbergwinzer, vom Bierbrauer bis zum Bäckermeister sind die Schöpfer fränkischer Köstlichkeiten völlig zu Recht auf die Ehrentafel der Gewürfelten gesetzt.

In der Genussregion Oberfranken mit seiner Weltrekordzahl an Bäckereien, Metzgereien und Brauereien pocht das fränkische Genießerherz besonders heftig. Es war an der Zeit, die gewürfelte Genussfraktion wieder einmal mit einem Oberfranken zu versehen, und so darf ich Ihnen als diesjährigen oberfränkischen Preisträger einen Tortenschmied aus Weismain mit einer bemerkenswerten Zusatzbegabung vorstellen.

Franz Besold stellt in seiner Meisterkonditorei nicht einfach nur vorzügliche Torten, Trüffel und Pralinen her, nein, er lässt unter seinen Händen wahre Kunstwerke entstehen. Die viel bewunderten Schautorten aus dem Hause Besold haben schon manchem festlichen Anlass das Sahnehäubchen aufgesetzt. Seine Richard-Wagner-Geburtstagstorte im XXL-Format mit dem Konterfei des großen Meisters, von der Kanzlerin und vom Bundespräsidenten persönlich angeschnitten, schaffte es sogar in die Bildzeitung.

Bei der Auswahl der Zutaten und der Gestaltung der Torten kann Franz Besold seinen augenzwinkernden fränkischen Humor nicht verbergen. So kredenzte er zum Beispiel Innenminister Joachim Herrmann stilgerecht eine Torte mit Sheriffstern und einer Füllung aus schwarzer Zartbitterschokoladencreme. Mit einer Torte, die von einem Porsche-Modell aus Schokolade gekrönt war, beeindruckte er den Entwicklungschef der Zuffenhausener Autoschmiede so sehr, dass ihm sogar die goldene Porsche-Ehrennadel verliehen wurde.

Franz Besolds kreatives Talent hat sich schon weit herumgesprochen, selbst bis nach Berlin und München. So verzaubert er nicht nur die ganze Republik mit seinen süßen Naschereien, sondern ist durch den achtsamen Umgang mit Lebensmitteln, durch seine Finesse und die Liebe zum Detail und durch die ehrliche Leidenschaft, mit der er sein Handwerk ausübt, zugleich ein überzeugender Repräsentant fränkischer Genusstradition.

Selbstverständlich gehören auch Krapfen jeglicher Couleur zu Franz Besolds leckerem Repertoire. Vom Krapfen ist es dann auch nicht mehr weit bis zu seiner zweiten Passion. Die Begeisterung für die fünfte Jahreszeit wurde ihm offenbar in die Wiege gelegt, hatte doch schon sein Vater Berthold erfolgreich für den Weismainer Fasching gedichtet. Filius Franz hat sich bereits als Schulkind an kleinen Reimen versucht. Heute ist er ein wahrer Meister der großen Rede in der Bütt.

Um die 30 Auftritte absolviert er pro Faschingssession. Der Betrieb in der Konditorei muss in dieser Zeit natürlich weitergehen. Wie er es schafft, früh um sieben gut gelaunt in der Backstube zu stehen, wenn er erst spät in der Nacht von der letzten Sitzung nach Hause gekommen ist, bleibt sein Geheimnis. Eine robuste Natur, ein starkes Team rund um Ehefrau Barbara und eine gehörige Portion fränkische Wendigkeit dürften eine maßgebliche Rolle dabei spielen.

Wendig ist es auch, wie er auf der närrischen Bühne in die unterschiedlichsten Rollen schlüpft: als Vogelhändler zum Beispiel, als Weingott Bacchus oder als Lebensmittelkontrolleur. Aber egal in welcher Verkleidung, Franz Besold nimmt sie alle gekonnt auf die Schippe, die großen und kleinen Politiker, die Stars und Sternchen und nicht zuletzt die lokale Prominenz.

Mit gereimter Satire auf hohem Niveau will er seine Zuhörer nicht nur gut unterhalten, sondern möchte sie auch zum Nachdenken anregen. Aber Vorsicht: in der Bütt wird aus dem freundlichen Zuckerbäcker ein scharfzüngiger und pointenstarker Wortakrobat, der den Finger in die Wunde legt.

Selbst den Mainzer Narren ist sein Talent als Büttenredner nicht verborgen geblieben. Für seinen Auftritt als Kellerassel auf der Bühne der renommierten Gesellschaft "Mombacher Bohnebeitel" hat er Standing Ovations geerntet. Die Pfälzer Fasenachtsfreunde waren vom Schalk aus Weismain so angetan, dass sie ihn vom Fleck weg gleich für die nächste Saison engagiert haben.

Seine Wurzeln aber liegen im Weismainer Fasching und so fühlt er sich in erster Linie der Tradition vor Ort verbunden. Deshalb wird er wie in den vergangenen 35 Jahren am Faschingssonntag wieder in seiner Paraderolle als Weismainer Till mit der Schellenkappe auf dem Kopf auf dem Marktplatz des Jurastädtchens stehen und aussprechen, was andere sich nicht zu sagen wagen. Dass ihn die Stadtoberen für seinen Schabernack wie einst sein Vorbild Till Eulenspiegel ins Gefängnis werfen und an den Galgen bringen könnten, von wo dieser nur knapp durch eine neuerliche List entkam, ist allerdings nicht zu befürchten.

Gelegentlich legt Franz Besold auch außerhalb der Faschingszeit ein Kostüm an. Als Bierkönig Gambrinus stimmt er bei regionalen Bierfesten das Loblied auf die heimische Braukultur an. Die beliebten Zeitreisen durch die Weismainer Stadtgeschichte bereichert er in der Rolle des Zisterzienser-Abtes Mauritius Knauer, bekanntester Sohn der Stadt und Verfasser des berühmten Hundertjährigen Kalenders.

Lieber Herr Besold,
100 Jahre mussten Sie nicht auf den Frankenwürfel warten, sondern gerade einmal 60. Der Frankenwürfel ist aber kein Geschenk zum kürzlich gefeierten runden Wiegenfest, sondern verdiente Anerkennung für einen fränkischen Charakterkopf.

Ich freue mich, dass ich Sie mit der Übergabe des Würfels und der Urkunde jetzt im Kreis der "Gewürfelten Franken" willkommen heißen darf. Herzlichen Glückwunsch!

HEIDRUN PIWERNETZ
Regierungspräsidentin von Oberfranken